Weit mehr als ein Immobiliendeal

Endlich hat das unwürdige Rumgezackere der Bundesbank um den altehrwürdigen Standort im Frankfurter Stadtteil Bockenheim ein Ende. Statt nach der Sanierung zurück in den brutalistischen Betonriegel aus den 1960er Jahren zu ziehen, wollen die Bundesbanker ein modernes Gebäude in der City kaufen. Und zwar schleunigst: Innerhalb von 18 Monaten soll der Kaufvertrag unter Dach und Fach sein, um eine weitere Zwischenlösung zu vermeiden. Denn dann endet der Mietvertrag für das Übergangsquartier in dem gleichfalls in die Jahre gekommenen Frankfurter Büro Center, kurz FBC.

Angesichts der hohen Leerstandsquoten bei Bürogebäuden und dem Frankfurter Hochhausplan von 2024, der 14 neue Wolkenkratzer alleine in der Innenstadt vorsieht, gibt es wahrlich schlechtere Zeitpunkte, um ein neues Domizil zu erwerben – egal ob Neubau oder kernsanierte Bestandsimmobilie.

Die Entscheidung der Bundesbank für einen neuen Standort kommt zum richtigen Zeitpunkt.

Mit dem neuen Standort scheint auch ein neuer Teamgeist in die Führung einzuziehen: Der Vorstand steht geschlossen hinter dem Gebäudekauf und verantwortet das Projekt als Gesamtgremium. Das ursprüngliche sogenannte Campus-Projekt mit der Sanierung des Hauptgebäudes, das zunächst zusammengestrichen und dann gänzlich beerdigt wurde, hatte nur zwei Führungsfiguren, die stark in der Kritik standen. Bundesbank-Vorstand Johannes Beermann und Ex-BND-Vizechef Guido Müller wurde ein repressiver Führungsstil vorgeworfen, da sie um jeden Preis die Kosten geheim halten wollten.

Und es gibt noch einen positiven Nebeneffekt des Umzugs: Die Stadt Frankfurt kauft Teile des alten Bundesbank-Areals und stellt sie für den Neubau der Europäischen Schule zur Verfügung. Die Stadt war bislang nicht in der Lage, für die Bildungseinrichtung einen neuen Standort zu finden. Dabei war die Zusage, dass die Anti-Geldwäsche-Behörde AMLA nach Frankfurt kommt, an das Neubauversprechen der aus allen Nähten platzenden Europäischen Schule gekoppelt. Ironie der Geschichte: In dieser werden vor allem Kinder von Mitarbeitern der EZB unterrichtet – die heute die Geldpolitik bestimmt.

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