Die Buchgewinne des Bundesbankgoldes sind phänomenal. Ein Verkauf ist aber ein Tabu.
Die geldpolitische Zinswende der EZB ab 2022 kommt die Bundesbank und damit den deutschen Fiskus weiter teuer zu stehen. Nach dem höchsten Jahresfehlbetrag in der Geschichte im Geschäftsjahr 2024 muss die Bundesbank nun den zweithöchsten Verlust aller Zeiten verkünden. Bis die deutsche Notenbank wieder Gewinne an den Bund ausschüttet, kann es gut und gerne noch zehn Jahre oder länger dauern.
Doch der Jahresfehlbetrag von 8,6 Mrd. Euro verblasst vollkommen gegenüber den Buchgewinnen der Goldreserven. Sage und schreibe phänomenale 124,6 Mrd. Euro waren die Bestände Ende 2025 mehr wert als noch ein Jahr zuvor. Hätte die Bundesbank diese Gewinne realisiert und an den Fiskus überwiesen, dann hätte Deutschland trotz massiver Investitionen in Rüstung und Infrastruktur seine Staatsverschuldung im vergangenen Jahr reduziert.
Politische Neutralität bewahren
Wenig verwunderlich ist es also, dass es so mancher Politiker gerne sehen würde, wenn die Bundesbank zumindest in kleinerem Stil Goldreserven verkaufen und die Gewinne an den Staat überweisen würde. Zumal der polnische Notenbankchef offenbar erwägt, Gold im Wert von 13 Mrd. Dollar zu verkaufen, um den Verteidigungshaushalt des Landes damit zu stützen.
Doch ein Verkauf eines Teils der Goldreserven sollte ein Tabu sein. Zum einen würde die Bundesbank damit die politische Neutralität verlassen und so die Unabhängigkeit der Notenbank gefährden. Zum anderen ist der Zweck der Goldreserven der Bundesbank ein anderer. Er dient als Stabilitätsanker, gerade in wirtschaftlich schwierigen Zeiten. Das Gold stärkt das Vertrauen der Bevölkerung in die Stabilität des Euro und die Bilanz der Bundesbank. Ohne Vertrauen in die Währung ist sie letztlich nichts wert und die Bundesbank wie auch die EZB könnten ihre Aufgabe der Preisstabilität nicht erfüllen. Nicht zuletzt gäbe es bei einem großangelegten Verkauf innerhalb relativ kurzer Zeit auch praktische Probleme. Die Goldbestände sind so groß, dass ein Preisverfall des Edelmetalls die Folge wäre.