Wer für Unsicherheit sorgt, treibt der Konkurrenz
die Passagiere in die Arme.
Man möchte den Piloten der Lufthansa zurufen: Im Ernst? Der Streik, der gerade läuft und noch bis in die Nacht zum Samstag dauern wird, kommt für die Airline zur Unzeit. Vor wenigen Tagen erst hatte Konzernchef Carsten Spohr geschildert, welche Chancen sich grade für die deutsche Fluggesellschaft auftun: weil die Drehkreuze im Nahen Osten wegen des Irakkrieges derzeit mehr oder weniger ausfallen, verbucht Lufthansa eine stark gestiegene Nachfrage vor allem Richtung Asien. Es wird alles getan, um Kapazitäten auf diese Strecken zu bringen und nun sorgt der Streik für Hunderte Flugausfälle.
Nichts zu verschenken
Dabei hat die Lufthansa fürwahr nichts zu verschenken. Mit einer 2025 erreichten Marge von 4,9% ist die für die Investitionen benötigte Zielmarke von 8% in weiter Ferne. Das von der Kernmarke Lufthansa Airlines eingeflogene Ergebnis von 148 Mill. Euro reicht nicht mal aus, um auch nur einen einzigen neuen Langstreckenflieger bezahlen zu können – geschweige denn die gesamten NettoInvestitionen von rund 2,5 Mrd. Euro, die vorrangig in neue Maschinen fließen. Gerade die Piloten aber sind darauf angewiesen, dass neue Flugzeuge kommen und die Flotte auf keinen Fall schrumpft – sonst dauert der Weg auf der Karriereleiter nach oben länger und das schlägt sich bei den Gehältern nieder.
Konkurrenz im Vorteil
Jetzt geht es darum, möglichst viele Passagiere zu gewinnen, bestenfalls sie dauerhaft davon zu überzeugen, dass es gar nicht so schlecht ist, mit Lufthansa auf Reisen zu gehen. Wer aber für Unsicherheit sorgt – und das tun die Flugzeugführer gerade –treibt Konkurrenten wie Air France die Reisenden in die Arme. Dabei wären jetzt eingesammelte Umsätze so wichtig, um sich ein Polster zu schaffen. Denn die Belastungen für die Branche, die aus dem Konflikt in Iran und Umgebung entstehen, werden kommen. Der explodierende Ölpreis wird die Kerosinkosten in die Höhe treiben. Das wird bei Lufthansa wegen der Absicherung später passieren als bei vielen anderen – umso wichtiger wäre es, das aktuell günstige Zeitfenster vollumfänglich zu nutzen.