Traditionsfirmen, bei denen keine Disruption durch Künstliche Intelligenz droht, sind an der Börse zurück.
Software-Titel sind auf dem absteigenden Ast. So hat der deutsche Vorzeigekonzern SAP binnen eines Jahres mehr als ein Drittel an Wert verloren. Beim Fernwartungs-Spezialisten Teamviewer sind es im gleichen Zeitraum sogar fast zwei Drittel. Nun muss das MDax-Mitglied in den SDax der kleinen Werte absteigen. Denn Künstliche Intelligenz greift die Geschäftsmodelle der New Economy an. Die früheren Disruptoren sind jetzt massiven Disruptionsgefahren ausgesetzt.
Dafür erleben die lange verschmähten Geschäftsmodelle der Old Economy an der Börse ihre Renaissance. Analysten sprechen von Halo-Unternehmen, die sicher vor der Disruption durch KI sind. Wobei Halo für „heavy assets bei low obsolescence“ steht, für kapitalintensive Unternehmen, die nach wie vor eine hohe wirtschaftliche Bedeutung aufweisen.
Diese neue Wahrnehmung an den Aktienmärkten wird bei den Aufsteigern in den MDax sichtbar: Mit Schaeffler, Deutz und Salzgitter gehören bald wieder echte Traditionsunternehmen und richtige Heavy-Metal-Werte der zweiten deutschen Börsenliga an. Aus gutem Grund, so hat zum Beispiel Deutz seine Aktionäre mit einer Performance von 125% binnen Jahresfrist erfreut.
Wachstumssegment Rüstung
Die drei Aufsteiger haben aber auch ihre Hausaufgaben gemacht. So hat Schaeffler nicht nur die Aktiengattungen vereinigt und die einstige Conti-Sparte Vitesco integriert. Der Industrie- und Autozulieferer ist inzwischen auch im Verteidigungssektor aktiv. Antriebs- und Motorenspezialist Deutz setzt ebenfalls vermehrt auf Rüstung. Und auch Salzgitter hat gerade sein Defence-Portfolio ausgebaut. Denn neben Infrastruktur zählt der Verteidigungssektor zu den Wachstumssegmenten der Old-Economy-Unternehmen.
Doch nicht jedes Traditionsunternehmen schafft es: Mit der Lufthansa hat eine Old-Economy-Ikone den Wiederaufstieg in den Leitindex Dax knapp verpasst. Ein Streik der Piloten, der die Kurse im maßgeblichen Zeitraum gedrückt hat, verhinderte das Comeback. Glück für den vergleichsweise jungen Online-Modehändler Zalando – der hätte sonst seinen Platz in der ersten Börsenliga räumen müssen. Die nächste Überprüfung der Indizes steht in drei Monaten an.