Jetzt wird es an den Aktienmärkten so richtig brenzlig

Der Irankrieg dürfte länger dauern, der Dax droht bis auf etwa 18.000 Punkte zu fallen.

Noch vor wenigen Tagen hat an den Weltaktienmärkten ein Goldilocks-Szenario dominiert: Die Weltkonjunktur legt zu, die großen Notenbanken haben die Inflation im Griff und werden noch einmal senken und weltweit klettern die Unternehmensgewinne. Bei den Profi-Investoren hat sich dabei zuletzt sehr viel Sorglosigkeit breit gemacht, so haben die Fondsmanager ihre Cashbestände deutlich zurückgefahren.

Nun trifft mit dem Angriff der USA und Israel auf den Iran ein massiver Energiepreisschock die Märkte. So ist der Preis für Öl binnen weniger Tage um mehr als 60% bis auf 120 Dollar je Barrel explodiert, der Preis für Flüssiggas ist noch stärker angestiegen. Viele Beobacher haben damit gerechnet, dass der Krieg nur wenige Tage dauert. Danach sieht es aktuell leider nicht aus. „Am Golf ist kein schnelles Ende in Sicht“, stellt denn auch Berndt Fernow, Stratege der LBBW, treffend fest. „Vor den Anlegern liegen lange Wochen der Unsicherheit.“

Dax wird stark getroffen

Je länger der Krieg andauert und der Energiepreisschock andauert oder sich gar noch beschleunigt, desto stärker werden die internationalen Aktienmärkte getroffen. Wobei natürlich Börsen wie Südkorea oder Japan, die zuletzt massiv zugelegt haben und bei denen die Abhängigkeit von den Energiepreisen groß ist, am stärksten korrigieren. Aber auch der Dax ist stark zyklisch, hat ein hohes Gewicht an exportstarken Firmen und wird durch den Energiepreisschock stark getroffen. Doch auch die US-Börse ist nicht immun, obwohl die USA inzwischen per saldo sogar Energieexporteur ist. Eine höhere Inflation, veränderte Leitzinserwartungen und ein sich abschwächendes Wachstum belasten auch in den USA.

Historische Beispiele

Noch immer sind Öl und Gas das Schmiermittel der Weltwirtschaft. Wie stark massive Energiepreisschocks die Aktienmärkte drücken, zeigen die Ölkrise in den 1970er Jahren, der Einmarsch irakischer Truppen nach Kuwait und der anschließende Golfkrieg 1990 und auch der Beginn des Ukrainekriegs 2022. Verluste in der Größenordnung von 25 bis 30% sind bei solchen Schocks normal. Dann droht der Dax bis auf rund 18.000 Punkte zu fallen. Bleibt die Hoffnung, dass der Krieg in Iran bald zu Ende ist. Falls nicht, wird es für Anleger richtig brenzlig.

Nach oben scrollen