Mittelmeerraum hinkt beim E-Auto hinterher

Stellantis-Chef Antonio Filosa zelebriert pressewirksam die radikale Abkehr von der Elektromobilität. Doch in Frankreich, der Heimat der zu seinem Konzern gehörenden Autobauer Peugeot und Citroën, ist der Trend zu Elektroautos ungebrochen. Dank staatlicher Anreize wie dem Sozialleasing sowie Steuern, die Unternehmen dazu bringen sollen, ihre Fahrzeugflotten zu elektrifizieren, ist der Marktanteil von Elektroautos im Jahr 2025 von 17% auf 20% gestiegen. Auch der Anteil von Hybridmodellen hat zugelegt von 43% auf knapp 51%. Entsprechend hat sich der Anteil von reinen Verbrennern weiter verringert. Ausgeschlossen von den Förderungen sind chinesische E-Autos.

2026 hat sich die Tendenz sogar weiter beschleunigt. So betrug der Anteil reiner E-Autos bei den Neuwagenverkäufen in den ersten beiden Monaten nach Angaben des Automobilverbandes La Plateforme Automobile (PFA) 28%, der wiederaufladbarer Hybrid-Modelle 5%. Der Trend dürfte anhalten. Denn Wirtschaftsminister Roland Lescure kündigte Ende 2025 an, der Bonus für den Kauf von Elektroautos werde 2026 beibehalten und erhöht.

Während Frankreich bei den Neuzulassungen von E-Autos 2025 im europäischen Mittelfeld lag, gehört das Land bei der Ladeinfrastruktur zu dem von den Niederlanden und der Bundesrepublik angeführtem Spitzentrio Europas. Ende Januar gab es in Frankreich laut Zahlen der Vereinigung für die Entwicklung von Elektro-Mobilität Avere-France und der B2B-Plattform Gireve 185.501 öffentlich zugängliche Ladepunkte, verteilt auf 53.837 Ladestationen. Das entspricht einem Anstieg von 20% innerhalb von einem Jahr. 

Geografische Unterschiede

Wenn der Rhythmus der Installationen von Ladestationen beibehalten werde, könnte Frankreich Ende des ersten Quartals auf 200.000 Ladepunkte kommen, meinen Branchenkenner. Dazu kommen rund 3 Millionen anderer Ladepunkte, etwa bei Unternehmen. Bereits letztes Jahr verfügten rund 70% aller Supermärkte auf ihren Parkplätzen über Ladestationen für E-Autos. 

Geographisch gibt es bei der Verteilung jedoch Unterschiede. So finden sich die meisten Ladestationen in der Region Ile-de-France, also dem Großraum Paris, gefolgt von den Regionen Auvergne-Rhône-Alpes mit Lyon und Nouvelle-Aquitaine mit Bordeaux. Die Bretagne dagegen gehört zu den Schlusslichtern.

Wie bei den Verkäufen von E-Autos ist die gute Ladeinfrastruktur auch dem Willen der Regierung zu verdanken. Sie hat das Ziel, bis zum Jahr 2030 auf 7 Millionen Ladestationen in Frankreich zu kommen, davon 400.000 öffentlich zugängliche, inklusive von 50.000 Schnellladestationen. Um das Ziel zu erreichen, stehen Förderungen und Steuererleichterungen für die Installation von Ladestationen bereit. Für Privathaushalte sind diese jedoch in diesem Jahr ausgelaufen. 

Seit 2025 muss jeder Parkplatz, der über mehr als 20 Stellplätze verfügt, mit einer Ladestation für E-Autos ausgestattet sein. Der Staat ermutigt Unternehmen zudem, für ihre Mitarbeiter Ladestationen zur Verfügung zu stellen. Bis 2023 konnten alle Unternehmen von staatlichen Förderungen für die Installation von Ladestationen profitieren. Seitdem gibt es sie nur noch für Unternehmen, die Dienstleistungen rund ums Auto anbieten – beispielsweise Tankstellen, Autoverleiher und Betreiber von LKW-Flotten. Regional gibt es punktuell immer wieder Förderprogramme.

Italien hinkt hinterher

Ein ganz anderes Bild zeigt sich in Italien: Das Land hinkt im europäischen Vergleich in puncto Elektromobilität deutlich hinterher. Auf einen Marktanteil von gerade mal 6% brachten es reine Stromer bei den Neuzulassungen im Jahr 2025. Zwar steigen die Verkäufe in diesem Jahr deutlich. Doch statt auf dauerhafte Incentives für den Kauf von Elektroautos setzt Rom eher auf temporäre Maßnahmen. Denn Italiens Regierung gehört zu den Treibern für eine Aufhebung der strengen CO2-Regeln und drängt auf Technologieneutralität sowie den Einsatz von Biokraftstoffen. Zusammen mit Berlin hat Rom innerhalb der EU wesentlich auf das Ende des Verbrenneraus 2025 hingewirkt und strebt eine weitere Aufweichung der CO2-Regeln an.

Das liegt auch daran, dass Italiens Autoindustrie – das sind neben den Super-Luxussportwagenproduzenten Ferrari und Lamborghini nur die Stellantis-Marken Fiat, Alfa Romeo, Lancia und Maserati – kaum Elektro-Autos im Angebot hat. Die Zulieferer hängen größtenteils stark am Verbrennermotor. Unter den zehn meistverkauften Elektroautos gibt es kein einziges Modell, das in Italien hergestellt wird. Auf den Spitzenplätzen liegen Tesla sowie chinesische Fahrzeuge von Leapmotor oder BYD.

Die öffentliche Ladeinfrastruktur ist nur im Norden und entlang der Autobahnen halbwegs hinreichend. Landesweit gibt es 70.000 Ladepunkte, davon 57% im Norden, vor allem in der Lombardei um Mailand und nur 23% im Süden. Mit zwölf Ladepunkten pro 100 Kilometer liegt Italien weit hinter den Niederlanden (122) und Dänemark (109), aber auch hinter Deutschland (70) und Frankreich (15).

Aufladen und Bezahlen erfolgen in der Regel durch Apps etwa von Marktführer Enel X Way, Free-to-X, Plenitude oder Nextcharge (Prepaid-Karten). In manchen Fällen ist auch eine direkte Bezahlung über Kreditkarten möglich. Die Preise sind höher als in Deutschland und es gibt nur wenige leistungsstarke Aufladepunkte. Es überwiegen Ladesäulen mit einer Kapazität von 22 kW.

Die Regierung hat sich den Ausbau der Ladeinfrastruktur vorgenommen. Das soll auch durch Mittel des Europäischen Wiederaufbauprogramms NextGeneration und nationale Pläne erfolgen. Zudem sind Boni sowie Steuererleichterungen für den Erwerb von Elektro-Autos vorgesehen. Unmittelbar geplant sind Incentives derzeit aber nur für den Kauf leichter Nutzfahrzeuge für Unternehmer.

Der Kauf bzw. die Nutzung von Elektroautos wird nur wenig gefördert. In einige Umweltzonen (ZTL) dürfen sie nach vorheriger Registrierung kostenlos hineinfahren. Und in einigen Städten gibt es wenige kostenlose Parkplätze.

Spanien holt auf

Spanien fuhr bei der Elektromobilität lange Zeit den Nachbarländern hinterher. Doch der zweitgrößte Autofabrikant Europas nach Deutschland hat in den vergangenen beiden Jahren rasant aufgeholt. Die Verkäufe von reinen Elektroautos und Hybridmodellen verdoppelten sich im vergangenen Jahr geradezu und kommen zusammen auf einen Marktanteil von gut 20%. Die Hersteller aus aller Herren Länder haben für ihre Werke in Spanien neue E-Modelle angekündigt, darunter VW und Mercedes-Benz.

Eines der größten Hindernisse für das Elektroauto war bis vor kurzem die sehr dünne Ladeinfrastruktur in einem Land, das flächenmäßig größer ist als Deutschland. Auch das hat sich drastisch verändert. Die Zahl der Ladepunkte erreichte Ende des Jahres erstmals 50.000, das Zehnfache im Vergleich zu den Jahren der Pandemie. Der Zuwachs hat sich zuletzt abgeschwächt, doch steigt die Zahl der ultraschnellen Tankstationen im Verhältnis zu den langsameren Punkten. „Die Ladeinfrastruktur ist jetzt mehr als ausreichend für die Entwicklung der Neuzulassungen von Elektrowagen“, erklärte Arturo Pérez de Lucía, Geschäftsführer des Verbandes für die Elektromobilität AEDIVE.

Die Regierung will die Elektrifizierung des Autoverkehrs weiter vorantreiben, nicht zuletzt mit Blick auf Spanien als Fertigungsstandort von Fahrzeugen und Batterien, wie das Werk von VW in Sagunt. Im Dezember stellte Ministerpräsident Pedro Sánchez das neueste Hilfsprogramm vor, den Plan Auto+. Der sieht Kaufanreize von bis zu 4.500 Euro für ein E-Auto vor. Die Voraussetzungen sind, dass es sich um einen reinen Elektroantrieb handelt, der Wagen höchstens 35.000 Euro kostet und einschließlich der Batterie in Europa gebaut wurde. Andere Modelle erhalten geringere Zuwendungen.

Rückwirkende Hilfen

Auch der Ausbau der Ladepunkte wird subventioniert. Wichtiger als die finanziellen Hilfen ist aus Sicht der Branche jedoch der angekündigte Bürokratieabbau. Verfahren, Auflagen und Lizenzen für die Einrichtungen eines Ladepunkts sollen stark vereinfacht werden. Bisher konnte die Minderheitsregierung von Sánchez mangels Mehrheit den Plan noch nicht durchs Parlament bringen. Das soll aber bis Sommer geschehen und rückwirkend ab dem 1. Januar gelten.

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