Menetekel für die gesamte Industrie

Wenn es der Chemie schlecht geht, leidet die gesamte Industrie. Denn fast überall steckt Chemie drin und deren Produktion ist gefährdet – nicht nur wegen des Irankrieges.

Überall steckt Chemie, deshalb leidet die Industrie, wenn es der Chemie schlecht geht.

Die Chemiebranche in Deutschland und Europa leidet, und das nicht erst seit Ausbruch des Irankrieges. Dessen Folgen verschärfen die Krise lediglich – die Energiekosten steigen weiter und die Lieferketten werden fragiler. Besonders unter Druck steht die Grundstoffchemie. Denn anders als in der Spezialitätenchemie zählt hier vor allem der Preis und da sind Europa und Deutschland im Vergleich zu China längst nicht mehr konkurrenzfähig. Weil zudem Überkapazitäten im Markt sind und sich China und die USA in einen Handelskrieg verbissen haben, strömen (günstige) Waren aus West und Ost verstärkt nach Europa und sorgen für zusätzlichen Druck.

Wenn es der Chemie schlecht geht, leidet die gesamte Industrie. Denn in fast allen Wertschöpfungsketten steckt Chemie. Wenn heute bestimmte Produkte etwa aus China nicht mehr bestellt werden können, weil die chinesischen Unternehmen bei Exporten auf der Bremse stehen, fehlen sie der Chemiebranche hierzulande in schätzungsweise sechs bis acht Wochen. Und etwas später macht sich der Mangel dann in den Abnehmerbranchen aus der Energiewirtschaft oder der Autoindustrie bemerkbar. Sehr schnell könnte die gesamte industrielle Produktion ins Stocken geraten.

Die Abwärtsspirale war in der Chemiebranche allerdings schon lange vor dem Irankrieg im Gange. Wachstum findet längst nur noch in wenigen Nischen und im Pharmageschäft statt. Zahlreiche Anlagen wurden bereits geschlossen, das gefährdet ganze Wertschöpfungsketten, weil wesentliche Bestandteile herausgebrochen werden.

Die Kosten am Standort Europa waren schon immer höher als in China, die stark gestiegenen Energiepreise im Zuge des Ukrainekrieges haben diese Situation noch verschärft. In der Vergangenheit hat man den Nachteil oft durch innovativere Produkte ausgeglichen, die teurer verkauft werden können. Das fällt angesichts der Aufholjagd der chinesischen Industrie immer schwerer. Hilfestellung der Politik tut sicher not, aber herbeisubventionieren wird man Wettbewerbsfähigkeit nicht können.

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