Die Durststrecke hält an

Ähnlich volatil wie das geo- und handelspolitische Geschehen ist inzwischen die Kursentwicklung bei Bayer. Am einen Tag hui, am nächsten pfui. Das war Mitte Februar der Fall, als Bayer eine Vergleichsvereinbarung zur weitestgehenden Beilegung der Glyphosat-Klagen annoncierte. Und das war auch am Mittwoch der Fall, als Bayer den Geschäftsbericht für den abgelaufenen Turnus samt der Prognose für 2026 veröffentlichte. Inzwischen sind die seit Jahresbeginn eingefahrenen Kursgewinne – in der Spitze waren es 33% – vollständig aufgebraucht.

Gründe dafür sind nicht nur in der kostspieligen Vergleichsvereinbarung zu suchen, sondern auch in der operativen Entwicklung der drei Divisionen. Vor allem die beiden größten Sparten – Cropscience und Pharma, die für knapp 90% des Konzernumsatzes stehen – können margenseitig mit dem Wettbewerb nicht mithalten. Natürlich mag man einwenden, dass Bayer mitten in der Reorganisation steckt und sichtbare Effizienzerfolge erst noch kommen. 2026 aber, so viel steht heute schon fest, wird es nicht so weit sein.

Cropscience beispielsweise erwirtschaftete 2025 eine operative Umsatzrendite von 19,4%, im neuen Geschäftsjahr sollen es 19 bis 21% werden. Die Pharmasparte lieferte im abgelaufenen Turnus 25,4% ab, rechnet aber im neuen Geschäftsjahr mit einem Rückgang auf 23 bis 25%. Für diese Entwicklung gibt es zwar schlüssige Erklärungen, doch warten die Aktionäre seit Jahr und Tag auf Besserung. Zumal sie mit Blick auf die Dividende seit drei Jahren auf Diät gesetzt sind. Wie angekündigt erhalten sie auch für 2025 nur die gesetzlich vorgeschriebene Mindestdividende von 0,11 Euro je Aktie.

Dass sich daran im nächsten Jahr etwas ändert, ist unwahrscheinlich. Denn die Beilegung der Rechtshändel in den USA verschlingt weiteres Cash, gerechnet wird mit einem Mittelabfluss von 1,5 bis 2,5 Milliarden. Zugleich schwillt die Nettoverschuldung an, was die Verschuldungsquote bei rückläufigem operativen Ergebnis wieder steigen lässt. Der Ausblick auf das Rating ist bei allen drei großen Agenturen negativ. Eine Herabstufung kann Bayer nicht riskieren.

Seit drei Jahren sind die Bayer-Aktionäre bei der Ausschüttung auf Diät gesetzt.
Dass sich daran 2026 etwas ändert, ist wenig wahrscheinlich.

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